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Merkblatt - Dolmetschen in Kursen, Aus- und Weiterbildungen

Gebärdensprachdolmetschen an Bildungsinstitutionen ist in der Schweiz noch nicht alltäglich. Aus diesem Grund haben wir einige Informationen zusammengestellt für Institutionsleitungen, Lehrpersonen, gehörlose Teilnehmer*innen, Mitstudierende und weitere beteiligte Personen.

Gebärdensprachdolmetschen – wie sieht das aus?
  • Beim Gebärdensprachdolmetschen wird von einer Sprache in eine andere gedolmetscht (in der Regel simultan).
  • Grammatik und Syntax von Gebärdensprachen und Lautsprachen unterscheiden sich. Deshalb wird nicht Wort für Wort gedolmetscht, sondern in Sinneinheiten.
  • Wenn von Gebärdensprache in Lautsprache oder umgekehrt von Lautsprache in Gebärdensprache gedolmetscht wird, findet ein Informationsverarbeitungsprozess statt, der einige Zeit beansprucht. Daher erfolgen Originalaussage und Verdolmetschung ein wenig Zeitversetzt.
  • Die Vorlieben und Bedürfnisse in der Kommunikation von gehörlosen Personen in Erfahrung zu bringen lohnt sich. Sie können variieren und massgeblich zu einem gelingenden Setting beitragen.

Dank Verdolmetschung in Gebärdensprache können auch an Ihrer Bildungsinstitution gehörlose Personen am Unterricht teilnehmen.

Vorbereitung – Welche Informationen sind im Vorfeld auszutauschen?
  • Damit sich die Gebärdensprachdolmetscher*innen auf den Einsatz vorbereiten können, ist es wichtig, dass ihnen frühzeitig die Unterlagen zur Verfügung gestellt werden. So können sie sich fachlich in die Thematik einarbeiten und schliesslich ein gutes Dolmetschprodukt erbringen. Folgende Unterlagen sind hilfreich: Unterrichts-Ablauf (Programm), Unterrichtsmaterialien (Literatur, Skripts, persönliche Notizen), Videos und PowerPoint-Präsentationen und sonstige nützliche Informationen.
  • Bei zeitlich ausgedehnten Gruppenarbeiten, vor allem auch wenn mehrere gehörlose Teilnehmer*innen angemeldet sind, ist im Voraus mit den gehörlosen Teilnehmer*innen zu klären ist, ob es für die verschiedenen Gruppen je ein Dolmetschteam braucht.
  • Nicht vergessen die Gebärdensprachdolmetscher*innen über allfällige organisatorischen Änderungen (betreffend Räumen, Stundenpläne, etc.) zu informieren.
  • Insbesondere Prüfungssituationen sollen vorgängig unter den gehörlosen Teilnehmer*innen, den Lehrpersonen und den Dolmetscher*innen besprochen werden.

Diese Informationen nach Einsatzbestätigung den Dolmetscher*innen zukommen lassen (in Absprache mit den gehörlosen Teilnehmer*innen). Diese Informationen dienen den Dolmetscher*innen dazu, sich gezielt auf den Einsatz vorzubereiten. Je nach Einsatz wird procom eine Koordinatorin stellen, die als Bindeglied zwischen gehörlosen Teilnehmer*innen, Lehrpersonen und Dolmetschkolleg*innen fungiert.

Vor Ort – Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit optimal?
  • Für unterschiedliche Settings (Frontal-Unterricht, Gruppenarbeiten, etc.) gilt es jeweils eine geeignete Sitzposition zu finden.
  • Gute Lichtverhältnisse erleichtern die Kommunikation. Keine Lichtquellen (Fenster, Leuchten) im Rücken. Bei Video- oder PowerPoint-Präsentationen den Raum nicht vollständig verdunkeln.
  • Schriftliche Texte weisen einen viel kompakteren Inhalt auf als gesprochene Sprache. Daher zwischen den Abschnitten eine kurze Pause einlegen. Wird im Unterricht schriftliches Material verteilt, welches sofort gelesen werden muss, eine Lesezeit einberäumen.
  • Gleichzeitiges Erklären und Zeigen ist nicht möglich, da gehörlose Teilnehmer*innen entweder etwas betrachten/lesen können oder den Ausführungen dazu folgen können. Etwas betrachten (Gegenstand, Folie, etc.) und gleichzeitig der Verdolmetschung folgen ist nicht möglich. Daher kurz Zeit geben etwas zu betrachten oder etwas zu lesen, und erst danach mit den Erläuterungen dazu beginnen.
  • Blickkontakt mit den gehörlosen Teilnehmer*innen aufnehmen und sie direkt ansprechen.
  • Gebärdensprachdolmetscher*innen sind Fachpersonen für Kommunikation und unterstehen der Schweigepflicht. Der detaillierte Ehrenkodex ist auf der procom-Webseite aufgeschaltet.
  • Die Dolmetscher*innen beteiligen sich nicht am Unterricht und nehmen auch keine beratende Funktion ein, weder für die Lehrpersonen noch die gehörlosen Teilnehmer*innen. Die Arbeit der Dolmetscher*innen unterscheidet sich von der Arbeit der Tutor*innen.
  • Simultandolmetschen verlangt eine hohe Konzentration und eine grosse Belastbarkeit der Gebärdensprachdolmetscher*innen. Regelmässig Pausen ermöglichen es die Konzentration und somit die Qualität des Dolmetschproduktes über die Dauer des gesamten Einsatzes zu gewährleisten. Oftmals ist auch ein Team von zwei Dolmetscher*innen vor Ort, das sich abwechselt.

Diese Punkte sollen die Zusammenarbeit unter den Beteiligten fördern, so dass gehörlosen Teilnehmer*innen ein möglichst optimaler Zugang zu Bildung und Information ermöglicht wird.

Nachbereitung – Welche Punkte können im Nachgespräch geklärt werden?
  • Fragen oder Beobachtungen zum Verhalten der beteiligten Personen können gestellt und eingeordnet werden und allfällige Unklarheiten können beseitigt werden.
  • Die bisherige Zusammenarbeit wird besprochen.
  • Schwierige Situationen können angesprochen werden.

Regelmässige Austausch- und Feedbackrunden unter den gehörlosen Teilnehmer*innen, den Lehrpersonen und den Dolmetscher*innen ist vor allem für die weitere Zusammenarbeit wichtig, hilft aus Erfahrungen zu lernen und kommt allen Beteiligten zu Gute.

Für weitere Informationen rund um das Thema Gebärdensprachdolmetschen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Kontakt:
procom Dolmetschdienst
Tannwaldstrasse 2
4600 Olten
055 246 58 00
dolmetschen@procom-deaf.ch
www.procom-deaf.ch