Ein Telefon für Gehörlose

die Videotelefon-Vermittlung VideoCom


Gehörlose Menschen konnten bisher nur über eine «Schreibvermittlung» telefonieren. Nun ist ein Anruf auch in Gebärdensprache und in Echtzeit möglich. Wo ein Telefonat effizienter ist, als einen Dolmetscher zu bestellen, kommt die Videotelefon-Vermittlung zum Einsatz. Gehörlose Menschen können so den Arzt, die Versicherung oder kurzfristig in die Schule ihrer Kinder anrufen. In der VideoCom helfen DolmetscherInnen auf beide Seiten hin, ein direktes Gespräch sofort möglich zu machen.

Und so funktioniert es: Die gehörlose Person ruft mit ihrem Bildtelefon die Videotelefon-Vermittlung an. Eine Dolmetscherin für Gebärdensprache stellt die gewünschte Verbindung mit einer hörenden Person her. Sind beide Gesprächspartner in der Leitung aufgeschaltet, übersetzt die Dolmetscherin simultan auf beide Seiten hin. So kann eine gehörlose Person den Arzt anrufen, wie andere Menschen auch.

Jeder spricht in seiner Sprache; die Dolmetscherin übersetzt simultan.

Warum telefonieren und nicht schreiben?

Nicht alle gehörlosen Menschen lesen und schreiben so gerne, wie man es annehmen könnte. Gelernt wird Sprache durch Hören und Nachahmen. Kindern wird zuhause vorgelesen, in der Schule lesen sie selber Texte vor; so wird Sprache kognitiv verankert. Die geschriebene Sprache ist ein Abbild der gesprochenen Standardsprache. Weil gehörlose Kinder die Lautsprache nie gleichermassen verinnerlichen können, bleiben sowohl Laut‐ wie auch Schriftsprachekompetenz für manche ein Leben lang eine Herausforderung. Die Gebärdensprache gilt als natürlicher Sprachausdruck gehörloser Menschen.

3 Fragen zu Gebärdensprache und Gehörlosigkeit

1. Ist Gebärdensprache Zeichensprache?
Nein. Die Gebärdensprache ist eine eigene Sprache, so wie es die Sprachen Deutsch, Französisch oder Italienisch sind. Es werden nicht etwa zum Sprechen einzelne Zeichen gemacht, sondern die Gebärdensprache beinhaltet ein eigenes sprachliches System.

2. Ist die Gebärdensprache auf der ganzen Welt gleich?
Nein. Die Gebärdensprache ist keine künstlich erfundene Sprache, aber eine natürlich gewachsene. Viele Gebärden sind ein Abbild dessen, wie etwas aussieht oder «typisch ist für…» und das ist von Land zu Land unterschiedlich.

3. Sind gehörlose Menschen «taubstumm»?
Nein. Einige gehörlose Menschen bezeichnen sich selber aufgrund ihrer tiefen Resthörigkeit als «taub»; jedoch können alle sprechen, da der Sprechapparat im Normalfall nicht beeinträchtigt ist. Hörende Menschen, die keine Gebärden kennen, können dennoch ganz normal mit gehörlosen Menschen sprechen; indem sie ihr Gegenüber ansehen, Hochdeutsch und deutlicher als sonst sprechen, aber nicht lauter.

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